Termin Informationen:
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Di.21Apr.2026Mi.22Apr.2026
Neue STOLPERSTEINE für Halle
Am 21. und 22. April 2026 werden in Halle 16 neue Stolpersteine verlegt. Dafür reisen insgesamt 26 Nachfahren von drei Familien aus Argentinien, den USA und London an. Ihre Vorfahren, für die wir die Stolpersteine verlegen, waren freundschaftlich eng miteinander verbunden. Bis heute halten sie Kontakt und wollen daher gemeinsam an den nun stattfindenden Stolpersteinverlegungen teilnehmen. Diese sind öffentlich, jeder kann teilnehmen.
Die Familien werden während ihres Besuchs in Halle die Wohn- und Wirkstätten ihrer Vorfahren aufsuchen sowie mit Schulklassen ins Gespräch kommen.Die Verlegungen finden wie folgt statt:
Dienstag, 21.4.11.00 Uhr Leipziger Straße 101Stolpersteine für Hubert Totzke und Lina Totzke (geb. Plaut)
Lina und Hubert Totzke (beide mittig) an der Ostsee
Hubert Totzke wurde 1907 in Halle geboren. Er folgte dem Beruf seines Vaters und wurde Zahnarzt mit eigener Niederlassung ab 1934 in Halle in der Leipziger Straße 101. Er konvertierte 1929 zum Judentum. 1932 heiratete er Lina Plaut (*1906 in Bad Hersfeld), die aus einer jüdisch orthodoxen Familie stammte. Nach ihrem Schulabschluss betrieb Lina Plaut mit ihrer Schwester einen Schuhladen in Bad Hersfeld. Hubert Totzke arbeitete als Zahnarzt in Bad Hersfeld, wo Lina Plaut seine Patientin war. Die beiden verliebten sich, heirateten und zogen nach Halle.
Im Zuge der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Hubert Totzke festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. An den Folgen der dortigen Misshandlungen litt er sein Leben lang. Das Ehepaar floh im Januar 1939 nach Shanghai. Bereits 1940 gelang es ihnen, in die USA auszuwandern, wo ihre Kinder Roy und Karin geboren wurden. 1993 verstarb Herbert Hubert, wie sich Hubert Totzke später nannte, in den USA. Seine Ehefrau Lina Hubert verstarb 2001 ebenfalls in den USA.
Patenschaften für beide Stolpersteine: Gemeinschaftsschule "August Hermann Francke"
Mittwoch, 22.4.9.30 Uhr Delitzscher Straße 22Stolpersteine für Moses Fried, Bella Fried (geb. Mainzer) und ihren Sohn Erich Fried mit seiner Frau Gerda Fried (geb. Huth)
Moritz und Bella Fried

Erich und Gerda Fried

Joseph Frank Viehhandlung in der Delitzscher Straße 22
Bella Fried wurde 1877 in Bad Kissingen geboren. Mit ihrem Ehemann Moritz Mosche Fried (*1871 in Ebelsbach) lebte sie in Halle, wo Moritz Fried Mitinhaber der Viehhandlung Joseph Frank war. Das Geschäft befand sich in der Delitzscher Straße 22, wo die Familie Fried viele Jahre wohnte. Später zogen auch ihre Geschwister Ernestine Frank und Hugo Mainzer mit ihren Familien nach Halle. Das Ehepaar Fried bekam zwei Kinder: 1902 wurde Tochter Hildegard in Halle geboren, 1908 folgte Sohn Erich.Nachdem die Nazis die Familie zur Auflösung der Firma und zum Verkauf der Grundstücke zwangen, flohen Moritz und Bella Fried nach Neuseeland. Dort starb Moritz Fried 1940. Drei Jahre später verstarb auch Bella Fried in Neuseeland.Sohn Erich floh gemeinsam mit seiner ebenfalls aus Halle stammenden Frau Gerda Huth über Umwege zu seinen Eltern nach Neuseeland. Gerda Fried starb 1977, Erich Fried 1981 in Neuseeland.Tochter Hildegard lebte damals in Berlin, von wo aus sie ebenfalls nach Neuseeland floh. Dort starb sie 1987.Patenschaft für den Stolperstein für Bella Fried: Thea Ködelpeter. Weitere Patenschaften noch möglich.
Mittwoch, 22.4.10.00 Uhr Magdeburger Straße 30Stolpersteine für Ernestine Frank (geb. Mainzer) sowie für Hugo Mainzer, Hertha Mainzer (geb. Cohn) und ihre Kinder Ludwig, Martin und Elisabeth (verh. Moos)
Ernestine Frank
Ernestine Mainzer (*1875 in Bad Kissingen) und ihr Ehemann Moses Frank hatten drei Kinder: Martin, Richard und Else. Die Familie lebte zunächst in Bad Kissingen. 1912 zogen sie nach Halle, wo Moses Frank in der Viehhandlung seiner Schwäger Hugo Mainzer und Moses Fried arbeitete. Sohn Martin diente als deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg. Er erlag 1916 seinen Verletzungen in einem Lazarett in Magdeburg.
Vergeblich versuchte das Paar aus Deutschland zu fliehen. 1940 starb Moses Frank in Halle nach schwerer Krankheit. Ernestine Frank wurde am 19.9.1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie ein Jahr später, am 17. September 1943, starb.Sohn Richard Frank emigrierte in die USA. Tochter Else Frank heiratete den Bauhaus-Absolventen Hans (Chanan) Frenkel und ging mit ihm 1933 nach Palästina (heute Israel). Als Architekt war er u.a. am Aufbau des Kibbuz Givʿat Brenner in der Nähe von Tel Aviv beteiligt.Patenschaft: Ehepaar Hanewinkel.
V.l.n.r. Ludwig, Martin, Herta, Elisabeth und Hugo Mainzer, ca. 1936
Hugo Mainzer (*1881 in Bad Kissingen), Bruder von Ernestine Frank (geb. Mainzer) und Bella Fried (geb. Mainzer), kam um die Jahrhundertwende nach Halle. Er arbeitete hier für die Viehhandlung Joseph Frank, deren Inhaber er später gemeinsam mit seinem Schwager Moses Fried wurde.
1914 heiratete er Hertha Cohn (*1895), deren Vorfahr Assur Marx als Begründer der jüdischen Gemeinde in der Frühen Neuzeit in Halle gilt. Das Paar hatte drei Kinder: Martin (*1915), Ludwig (*1917) und Elisabeth (*1922). Im Ersten Weltkrieg diente Hugo Mainzer als deutscher Soldat. Er engagierte sich sehr in der Jüdischen Gemeinde, deren Vorsitzender er für viele Jahre bis zu seiner Auswanderung 1939 war, und in vielen jüdischen Vereinigungen.
Sohn Martin sowie Neffe Erich Fried stiegen in den 1930ern ebenfalls geschäftlich in die Viehhandlung ein. Sie sollten es einmal übernehmen. Doch dazu kam es nicht, denn 1938 wurden sie von den Nazis gezwungen, das Geschäft aufzulösen. Während der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Hugo Mainzer verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Am 1. Dezember 1938 kam er wieder frei.
Ludwig Mainzer wanderte schon 1936 in die USA aus. Bruder Martin folgte ihm 1938. Es gelang ihnen jedoch nicht, ihre Eltern und Schwester zu sich in die USA zu holen. Mit der Hilfe von Ernst Moos, einem sehr guten Freund von Martin Mainzer, gelang die Flucht nach Uruguay. Elisabeth erkrankte 1942. Sie heiratete Ernst Moos und beide gingen nach Argentinien. Dort verstarb Elisabeth 1944.
Hugo und Herta Mainzer konnten 1941 zu ihren Söhnen Martin und Ludwig in die USA einreisen. Hugo Mainzer starb dort 1960, Hertha Mainzer 1967 und die Söhne Martin und Ludwig starben beide 1991.
Patenschaften: Familie Zentgraf (1 Stein), IGS Am Steintor (1 Stein), IGS Am Planetarium (2 Steine) und BbS III J.C. v. Dreyhaupt (1 Stein).
Mittwoch, 22.4.11.00 Uhr Friedenstraße 7/8Ernst Moos, Käthie Cerf (geb. Friedländer, verw. Moos), Otto Cerf und Ursula Cerf (verh. Heine)
Ernst Moos (1918-2001)
Käthie Cerf wurde 1894 in Halle geboren. Ihr Ehemann Ernst Moos (* 1878 in Hechingen) fiel 1918 als deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg. Da war Käthie gerade mit dem gemeinsamen Sohn Ernst Moos schwanger. Sie zog mit ihrem Sohn zurück zu ihrer Familie nach Halle. Dort heiratete sie 1920 Otto Cerf (* 1892 in Halle), der Miteigentümer des Kaufhaus Löwendahl (Damenbekleidung) war. 1921 wurde die gemeinsame Tochter Ursula geboren. Die Familie lebte in der Friedenstraße 7/8.1938 floh Ernst Moos nach Buenos Aires (Argentinien) und holte seine Familie 1939 dorthin nach. Mit ihnen kam Elisabeth Mainzer, seine spätere Ehefrau, mit ihren Eltern Hugo und Herta Mainzer. Elisabeth war die Schwester von Ernst Moos‘ sehr gutem Freund Martin Mainzer und wurde eine gute Freundin von Ursula Cerf. Als Elisabeth erkrankte, heirateten sie und und Ernst Moos. 1944, zwei Jahre später, verstarb Elisabeth dort.Ernst Moos heiratete 1945 erneut. Mit Lore Koppel bekam er zwei Kinder. Er starb 2001 in Buenos Aires. Dort starben auch Otto Cerf (1959), Käthie Cerf (1971) und Ursula Cerf, verheiratete Heine (2015).
Patenschaften: Saaleschule für (H)alle (3 Steine) und Giebichenstein-Gymnasium "Thomas Müntzer" (1 Stein).
