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Stellungnahme des Zeit-Geschichte(n) e.V. - Verein
für erlebte Geschichte - zur Presseerklärung des IVVdN
u.a. vom 24.9.2004
Es geht um Menschlichkeit
Der letzte Rand der Menschlichkeit wurde verlassen,
als Deutsche die Ermordung der europäischen Juden planten,
organisierten und - so weit es ihnen möglich war - auch durchführten.
Das ist und bleibt der mit nichts vergleichbare Tiefpunkt menschlicher
Entwicklung.
Nichts kann das relativieren!
Alle Verbrechen, die in Deutschland danach, unter kommunistischem
Vorzeichen, geschahen, nehmen sich vor diesem Hintergrund wie Bagatell-Delikte
aus.
Aber wehe dem, der das ausnutzt, um eigene Schuld klein zu reden!
Die Unterzeichner der Presseerklärung des IVVdN hatten bisher
- wegen der Opfer, die zu vertreten sie vorgeben - unseren Respekt
und wir hofften, sie als potentielle Partner im Kampf gegen die
Feinde der Demokratie betrachten zu können.
Mit Entsetzen sehen wir, wie Stil und Inhalt dieser Presseerklärung
an die Methoden der 2. Diktatur auf deutschem Boden erinnern. Wir
weisen alle Unterstellungen und Verleumdungen zurück, die der
IVVdN, der VVN und die übrigen unterzeichnenden Verbände
in der Presseerklärung vom 24.9.2004 verbreiten.
Wir behalten uns alle - durch die friedliche Revolution von 1989
erkämpften - juristischen Schritte gegen die Unterzeichner
wegen übler Nachrede vor und fordern die anderen angegriffenen
Verbände, Institutionen und vor allem die Stadtverwaltung von
Halle auf, ebenfalls ein gerichtliches Vorgehen prüfen zu lassen.
Die Verfasser unterstellen Absichten und Motive, für
die es nicht den geringsten Anlass gibt:
Es sei die "wahre Absicht" der "Organisatoren"
gewesen, die "Bestrafung von Kriegsverbrechern als Unrecht
zu bezeichnen und sie als Opfer der Gewalt darzustellen". Es
ginge "um eine posthume Ehrung und Rehabilitierung von Kriegsverbrechern".
Und dies entspreche der "Zielstellung der Rechtsextremisten
zur Rehabilitierung von Kriegsverbrechern".
Wider besseres Wissen werden historische Wahrheiten
auf den Kopf gestellt:
Dass 117 Männern im Jahr 2003 ein Grab gegeben werden musste,
haben die kommunistischen Machthaber zu verantworten, die ihre Gefangenen
lebensvernichtenden Bedingungen aussetzten und ihnen nach ihrem
Tod ein Begräbnis verweigerten.
Wer diesen Missstand beseitigt, wie die Stadt Halle
auf dem Gertraudenfriedhof, folgt den Geboten der Menschlichkeit,
wie sie schon Antigone ..... vor Christus forderte.
Auch dass es sich heute, aufgrund der jeder Rechtsstaatlichkeit
widersprechenden Verfahren sowjetischer Militärtribunale, nicht
mehr zweifelsfrei ermitteln lässt, ob und wie viele Nationalsozialisten
oder Kriegsverbrecher sich unter den 117 Toten befinden –
auch das ist ein Erbe kommunistischer Unrechtsjustiz.
Überlebender des Holocaust?
Der Initiator der uns verleumdenden Kampagne, der IVVdN-Landesvorsitzende
Jupp Gerats, der von der VVN als Überlebender des Holocaust
bezeichnet wird (vgl. Unterzeichner der Erklärung "Holocaustüberlebende
verurteilen den Richterspruch aus Karlsruhe" in: www.vvn-bda.de)
wurde nach uns vorliegenden Dokumenten am 15.7.1943 als regulärer
Soldat zur deutschen Wehrmacht einberufen, wo man ihn zum Gefreiten
beförderte (vgl. Landesarchiv Merseburg, Landesleitung der
SED Sachsen-Anhalt V/8/209, Bl. 154, 159 f. SAPMO-BArch DY 30/IV
2/4/30, Bl. 38 f). Gerats gehörte zwischen 1949 und 1952 dem
SED-Machtapparat in Sachsen-Anhalt an, war Vorstandsmitglied der
Parteigruppe SED-Landesvorstand, Abteilungsleiter in der Kaderabteilung
des SED-Landesvorstands und wirkte als Dozent für Gesellschaftskunde
an der Ausbildung von Richtern mit. Negative Beurteilungen, die
er über frühere SPD-Funktionäre anfertigte, fanden
sich in einer Akte des Staatssicherheitsdienstes der DDR (vgl. BStU,
MfS BV Halle AOP 179/56, Bl. 127, 157-159). Wie Gerats' Beurteilungen
dorthin gelangten, möge er selbst erklären. Die betreffenden
SPD-Funktionäre wurden wenig später entmachtet oder entzogen
sich der drohenden Gefahr durch Flucht in den Westen.
Wolfgang Schuster
Vorsitzender Verein Zeit-Geschichte(n)
Gudrun Goeseke
Gründungsmitglied und Vorstand Verein Zeit-Geschichte(n)
Mitglied der Jüdischen Gemeinde zu Halle
Wolfgang Kupke
Vorstand Verein Zeit-Geschichte(n)
Heidi Bohley
Projektentwicklung und Geschäftsführung
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