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14.11.2004 auf dem Gertraudenfriedhof Halle
Gedenkfeier zum Volkstrauertag
Auszug aus der Rede von Christel Riemann-Hanewinckel
Mitglied des Bundestages und Parlamentarische Staatssekretärin
im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Sehr geehrte Damen und Herren,
Gräberfelder, Friedhöfe und Gottesacker sind
Orte mit besonderen Regeln und Vereinbarungen. Sie sind deutlich
gekennzeichnet mit einer Mauer, einem Zaun, einer Hecke, einer "Umfriedung".
Der Frieden und die Ruhe der Toten ist uns ein hohes Gut. Die Würde
des Einzelnen in der Versammlung der Toten wollen wir respektieren.
Nach Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland
ist die Würde des Menschen unantastbar.
Sie ist auch nicht teilbar oder aufteilbar nach dem, was ein Mensch
in seinem Leben getan oder gelassen hat.
Manche sagen: Im Tod sind alle gleich. Oder: Auf dem Friedhof wird
nicht zu Gericht gesessen.
Ich bin froh, dass die Zeiten vorbei sind, in denen
die Gemeinschaft und die christlichen Kirchen (manchen Menschen)
eine letzte würdige Ruhestätte verweigert hat. Sogenannte
Selbstmörder wurden vor der Friedhofsmauer oder in einem Winkel
vergraben.
Deshalb bitte ich alle, die in dieser Stadt streiten,
die Totenruhe und Würde auch der 117 Toten aus Torgau zu achten,
die auf dem Gertraudenfriedhof endlich ihre letzte Ruhestätte
gefunden haben. Sie haben eines gemeinsam, unabhängig davon,
was sie im Leben zu verantworten haben, sie sind durch ein Unrechtssystem
zu Tode gekommen.
Was Menschen getan oder gelassen haben, wofür
sie sich in ihrem Leben zu verantworten haben, das wird nicht ...
über den Gräbern entschieden, sondern an anderen Orten.
Auch das Gräbergesetz entscheidet nicht nach Tätern
und Opfern. Es umfasst die Gräber aller Verstorbenen, für
deren Tod der Krieg oder die Gewaltherrschaft eine maßgebliche
Ursache war.
Sehr geehrte Damen und Herren,
christliche Jugendliche haben im Jahr 1953 das Motto
ihrer Arbeit an den Kriegsgräbern geprägt "Versöhnung
über den Gräbern – Arbeit für den Frieden".
Dieser Friedensdienst ist heute in vielfältigen Formen in Halle,
in Deutschland und von Deutschland aus so nötig wie (vor)
fast 60 Jahren, als Deutschland von der Hitlerdiktatur befreit
wurde.
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